Mein erster PERRY RHODAN ...

Autor: Timothy Stahl
Neu ist die Geschichte nicht: Ein – mehr oder weniger – etablierter Heftromanautor wird gefragt, in der Regel seinerseits unerwartet, ob er denn nicht Lust hätte, sich auch mal an einem PERRY RHODAN zu versuchen. Und auch die Gründe der Einzelnen, das Angebot anzunehmen oder nicht, gleichen sich. Oder zumindest dürfte sich ihre Zahl in überschaubarem Rahmen bewegen.

Für mich gab es drei Gründe, das »Abenteuer PERRY RHODAN« zu wagen.
Zum einen kennt man PERRY RHODAN: Nennt man den Namen im Beisein welcher Leute auch immer, können sich die allermeisten etwas darunter vorstellen, ob sie nun Leser der Serie sind oder nicht. PERRY RHODAN ist ein Begriff. Und es ist schön, wenn man auf die Frage, was man denn beruflich so tue, antworten kann: »Ich habe zum Beispiel auch schon für PERRY RHODAN geschrieben.«

Zum anderen war PERRY RHODAN für mich die letzte Terra incognita auf dem weiten Feld des Heftromans. Ich habe in den vergangenen gut fünfzehn Jahren sicher nicht so viele Romanhefte geschrieben wie die meisten anderen Kollegen (gezählt habe ich sie nie, aber ich würde mich wundern, wenn ich dabei auf hundert käme), war aber für eine ganze Anzahl von Serien und Reihen tätig, ehe sich der Schwerpunkt meiner Arbeit in andere Bereiche verlagerte; was natürlich auch eine Folge der immer geringer werdenden Zahl potenzieller Möglichkeiten war – und Spaß sollte es dann ja auch noch machen ... aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal oder nie? erzählen werde. Zurück zum Thema: PERRY RHODAN reizte mich, war eine Herausforderung, der letzte Gipfel im Lande Heftroman, sozusagen, den ich noch erklimmen wollte.

Vor allem trieb mich jedoch eines in die Welt des Erben des Universums: reine Neugier nämlich. Neugier darauf, wie es wohl sein würde, in einem so großen Team an einer so großen Serie zu arbeiten; Neugier aber auch, vielleicht sogar in erster Linie auf diese sagenumwobenen PERRY RHODAN -Exposés ... Und ich kann jetzt, nach getaner Arbeit, sagen: Die haben es durchaus in sich!

Gut, zwischen den Exposés für »PERRY RHODAN-Action« und denen für die Erstauflage liegen sicher noch einmal, und im wahrsten Sinne des Wortes, Welten. Aber auch in den Vorgaben für die Romane des Spin-offs steckt vieles drin, das der jeweilige Autor unbedingt zu vermitteln hat. Dazu kommt noch, dass man sich auch sehr für die Exposés »drumherum« interessieren muss, weil der eigene Roman eine im vorhergegangenen angebrochene Handlung fortsetzt oder einen im Folgeband wieder aufzugreifenden Faden zu spinnen beginnt.

Zu sehr ins Detail möchte ich jetzt gar nicht gehen; ich mache es stattdessen mal an einem Beispiel fest: Ich erinnere mich noch, obwohl es etliche Jahre her ist, an einen Roman, den ich für die Grusel- oder »Mystery«-Serie »Professor Zamorra« schrieb und der unter dem Titel »Märchenfluch« erschien. Mein »Exposé« für diesen Roman erschöpfte sich in einem (langen) Satz: »Nehmen wir mal an, es gäbe da einen Zauberwald, und aus den Bäumen dieses Waldes würde Papier gemacht, auf das ein Schriftsteller aus der ›Weird Tales‹-Riege, vom Schlage eines Lovecraft oder Robert E. Howard also, seine Geschichten schriebe – was würde oder könnte da passieren?« Natürlich gab es darauf fußend noch ein paar weiterführende Überlegungen, aber eigentlich war's das schon ...

... und vom Umfang her macht dieser Satz gerade mal 1,2 Prozent des Exposés aus, das » PERRY RHODAN-Action« #7 zugrunde liegt – großzügig aufgerundet!

Das eigentlich Erstaunliche aber ist: Gerade das Exposé für besagten Band 7 ließ sehr viel Raum und Möglichkeiten für »eigenes Material«. (Vorsicht, jetzt muss ich ein wenig spoilern! Wer den Roman also noch nicht kennt – erst mal »weglesen«!) Die Auseinandersetzung zwischen dem Regenten und Rhodan am Anfang des Romans beschränkte sich im Exposé eigentlich auf die Vorgabe, dass beide schwer angeschlagen aus dem Kampf hervorgehen müssen, und dieser Kampf wiederum war lediglich als mit Strahlwaffen, Parafähigkeiten und List & Tücke geführte Auseinandersetzung gedacht. Den dritten und für beide Kontrahenten übermächtigen Gegner, der ihnen so heftig zusetzt und an dem sie dann scheitern, brachte ich selbst ins Spiel – und das hat der Szene meiner Meinung nach nicht (sehr) geschadet ... :o)

Trotzdem spürt man auch beim Schreiben eines Spin-off-Romans, der, wenn man so will, in der Steinzeit der Serie angesiedelt ist, natürlich einen gewissen Druck: den der Datenfülle (auch die Ausdrucke des Infomaterials und der Exposés für PRA füllen einen Aktenordner und bringen es auf gut und gerne 400 Seiten), aber auch den der Erwartungshaltung des Lesers. Denn der »Perry«-Leser ist ... anders: Er nimmt ein »Mitspracherecht« für sich in Anspruch, er achtet auf Kleinig(st)keiten, und das alles ist gewiss legitim, denn er ist Teil von »Perry Rhodan«, der Leser gehört zu dem Phänomen, das die Serie ist.

So bleibt mir nur zu hoffen, dass ich den Leser – na, stapeln wir mal tief ;-) – nicht zu sehr enttäuscht habe und meine beiden Beiträge zu PRA dereinst nicht zu den Tiefpunkten der »Legende Perry Rhodan« gerechnet werden. Ich jedenfalls freue mich und betrachte es als Ehre, die Gelegenheit bekommen zu haben, (m)einen (kleinen) Fußabdruck im Sand der Geschichte Perry Rhodans zu hinterlassen: Ganz einfach war's nicht – aber Spaß hat's gemacht!