Exposébesprechung für die zweite PRA-Staffel

Von den Irrwegen eines Zykluskonzepts


Montag, 14:30 Uhr, Wattenheim – die Sonne knallt.

Es geht zur Besprechung der zweiten Staffel von PERRY RHODAN-Action. Die History-Serie von PR, back to the roots. Ohne kosmologischen Überbau, ohne Hightech. So geht es mir auch: Das Navigationsgerät, das ich mir eigentlich für das Treffen mitten in Karlsruhe ausleihen wollte, lässt sich nicht an meinen Zigarettenanzünder anschließen (den ich zuvor noch nie genutzt habe).

Kein Problem, Klaus sagte ohnehin, den Biergarten könne man gar nicht verfehlen, wenn man wie ich über die Rheinbrücke aus der Pfalz anreist. Und der Chefredakteur hat immer Recht.

Nun … vielleicht doch nicht immer. Man kann ihn nicht verfehlen? Oh doch, ich kann!

Statt der Rheinstraße zu folgen, biege ich irgendwie auf die Östliche Rheinbrückenstraße oder so ähnlich ein … und merke bald: das kann nicht sein. Der Ausdruck, den mir ein Routenplaner ausgespuckt hat, nützt auch nix mehr, weil ich irgendwo gestrandet bin.

Also, neuer Zyklusname für die Romane 13 bis 24: »Gestrandet im Nirgendwo«. Hm, klingt zu fantasyhaft.

Montag, 16:15, Karlsruhe – die Sonne knallt immer noch.

Chefredakteur Klaus Frick brütet über diversen Papieren, als ich erleichtert und schweißgebadet in den Biergarten wanke. Eine Klimaanlage im Auto wäre nicht schlecht gewesen. Aber: zu teuer. Und unter Prä-Hyperimpedanz-Bedingungen ohnehin nicht nutzbar.

Hier ist's schattig, ein laues Lüftchen weht. Wunderbar.

Rasch erfahre ich, was wir in den nächsten Stunden so vor uns haben … ich linse auf die tabellarische Untergliederung – doch nirgends steht der Programmpunkt »Abendessen«. Dafür so hübsche Sachen wie ungefähr: »Expose erster Romane muss am XX.XX.2008 vorliegen, der Autor wartet schon.« Oder: »Komplettkonzept nötig.« »Genaueres Konzept Bände 1-4.«

Oder auch eine hübsche Liste mit Autorennamen. Da finde ich mich auch selbst und verschiebe mich gleich mal zwei Romane nach hinten … denn sonst schreibe ich das zweite Heyne-Taschenbuch der »Rotes Imperium«-Trilogie gleichzeitig mit PRA. Geht irgendwie nicht.

Als Klaus das nächste Getränk bestellt, kommt mir der zündende Geistesblitz. Neuer Zyklusname für die Romane 13-24: »Kristallweizen-Zyklus«. Klingt gut. Und nicht so fantasyhaft, sondern eher … bodenständig. Klaus notiert sich's gleich. Aber ob es umgesetzt wird? Hm, das wage ich zu bezweifeln.

Montag, 18:45 Uhr, Karlsruhe – erste Regentropfen fallen.

Wir verziehen uns in den Wintergarten, und eigentlich sind wir durch. Immerhin gab es zur Vorbereitung einige hübsche Ideen-Papiere, von denen das meiste verworfen wurde, aber doch so einiges übernommen werden wird, wenn auch in ganz anderer Form.

Verraten wird natürlich noch nichts, außer dass der neue Zyklus ein neuer Zyklus wird. Ist das eine lächerliche Information? Je nachdem. Was ich sagen will:

Das Alte ist abgeschlossen, mit Band 13 beginnt etwas völlig Neues.

Also ein »echter« Band 1. Ob das eine oder andere Element aus Band 1-12 wiederkehren wird? Mal sehen. Aber jeder, der Band 13/1 kauft, wird mühelos einsteigen können. Einen tollen Autor für den Band haben wir schon.

Einen ernsthaften Zyklusnamen wird Klaus wohl gerade mit den Kollegen in der Redaktion diskutieren, während ich diese Zeilen tippe. Ich will ihn hier mal nicht nennen. Aber noch ein Vorschlag: »Sintflut-Zyklus«. Denn so kam ich mir vor, als ich nach Hause fuhr. Aber das ist vielleicht zu biblisch-religiös, das kann ich nach »Lazarus Tod« nicht gleich noch mal bringen.

Montag, 20:45 Uhr, Autobahn bei Kandel – es regnet Katzen und Hunde.

Meine Hände klammern sich um das Lenkrad, als ich in den See einfahre, der sich statt eines Autobahnbelags vor mir erstreckt. Hunderte Meter weit steht das Wasser auf der Autobahn. Es trommelt auf dem Dach so laut, dass ich kaum dem schicken Hörspiel lauschen kann. Es blitzt hin und wieder so hell, dass ich glaube, geblitzt worden zu sein. Ob das Knöllchen wohl auch auf die Spesenrechnung könnte?

Irgendwann komme ich im Kriechtempo zuhause an. Es war ein wesentlich produktiveres Treffen, als dieser nichtssagende Bericht vermuten lässt … aber was könnte ich inhaltlich schon sagen, ohne groß zu spoilern?

Eine letzte Idee: »Nichtssagender Zyklus«. Hm, klingt auch nicht. Man stelle sich die Werbung vor:

»Das Abenteuer geht weiter … Perry Rhodan stellt sich der Gefahr … im nichtssagenden Zyklus, der euch den Atem rauben wird. Steigt ein!«

Dann brüte ich doch lieber über den Ideenfetzen und Handlungsbruchstücken und versuche, ein ordentliches Konzept daraus zu erstellen. Auf eine Figur freue ich mich schon ganz besonders, eine, die aus einer Laune und dem Gespräch heraus entstand und die nun mit Leben erfüllt werden will. Sie hat noch nicht mal einen Namen, aber wie wär's mit einer Kombination aus all den hier vorgeschlagenen Zyklusbezeichnungen:

»Gestrandet im Nirgendwo«: G(estrandet) i(m) N(irgendwo)
»Kristallweizen«: Kri(stallweizen)
»Sintflut«: Sin(tflut)
»nichtssagender«: n(ichts)sa(gender)

GiNKriSinnsa … Ginkris Innsa … klingt schon ganz gut … fast … Ginkris Innsa … damit der Vorname nicht an ein hochprozentiges Getränk erinnert: Kingris Innsa. Mal schauen, was draus wird. So ganz perfekt klingt das noch nicht ...