PERRY RHODAN-Action schreiben (Teil 3 von 3):
Marc A. Herren – das Tagebuch.
Abschließender Teil des Logbuchs.
Fortsetzung von Teil 1
und Teil 2
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20. Februar 2008: Reiseabfall
Nachdem ich in der ersten Monatshälfte wegen der Personalgespräche nicht frei nehmen konnte, habe ich diese Woche gleich mehrere Tage eingezogen und bin wieder kreuz und quer durch die Schweiz gefahren. Neben dem PRA-Schreiben entstanden mehrere »Abfallprodukte«, die ich zwischendurch, sozusagen als Auflockerung, niedergeschrieben habe.
Das Zugfahren ist für mich schon fast zu einem metaphysischen Erlebnis geworden. Ich sitze meist am selben Platz (den mit der Steckdose), habe auf den Ohren irgendwelche Filmmusik (am besten funktioniert das Schreiben mit dem Soundtrack zu Tim Burtons »Planet of the Apes«) und lasse mich durch die herrliche Aussicht und die Menschen inspirieren, die mich auf meiner Reise begleiten.
Übrigens: Eines dieser »Abfallprodukte« sollte dereinst auf der LKS der Erstauflage erschienen sein (Perry beim Zahnarzt), das andere ist ein Expo für eine Komödie mit zwei Künstlern, die im Simmental in einer Art kreativer Feindschaft leben. Bei Gelegenheit werde ich mal das Schweizer Fernsehen anfragen, ob sie Lust an einem Script für einen Fernsehfilm haben.
21. Februar 2008: Ein zusätzlicher Anreiz
Benjamin Golling hat geschrieben und mich gefragt, ob ich an den Duisburger Stammtisch am 7. März kommen werde. Das wäre auch ein guter Termin für mein Coming-Out als Autor.
Ich sage unter der Bedingung zu, dass ich das Manuskript zu diesem Zeitpunkt wirklich fertig gestellt habe und die Redaktion grünes Licht gegeben hat. Noch ist nämlich nicht sicher, ob mein Roman wirklich akzeptiert wird. Wenn die Qualität jenseits von Gut und Böse sein sollte, dann wird VPM einen Notautoren aufbieten, der sich PRA05 annehmen wird (und meine große Chance wäre dahin).
Dass mein Text auch nach dem grünen Licht aus Rastatt intensiv lektoriert werden muss, ist mir völlig klar. Aber vor dem Okay von Klaus und Benjamin wird mein Name als Autor weder öffentlich, noch plane ich selbst irgendwelche Aktivitäten. Der Duisburger »StaTi« ist demzufolge nichts anderes als ein schönes Ziel, das ich nun zusätzlich anvisieren kann.
24. Februar 2008: Schreiben, schreiben, schreiben, schreiben
Sonntag Abend. Dieses Wochenende habe ich aus den Vollen geschöpft. Zu meiner großen Erleichterung konnte mein Vater eine ehemalige Angestellte für eine Arbeitsnacht in der Backstube gewinnen, und ich nutzte Samstag und Sonntag zum Schreiben. Schade, so erhält man keine Flug-, resp. Schienenmeilen auf dem SBB-Netz.
Das komplette siebte Kapitel ist im Kasten; nun bin ich gespannt, was die guten Seelen von Test- und Korrekturleser dazu meinen. Ich habe Perry nämlich in eine äußerst ... äh ... delikate Lage gebracht, die eigentlich ziemlich einzigartig sein sollte im Perryversum. Ich merke dabei aber schnell, dass mir noch die Maßstäbe fehlen, um gut einschätzen zu können, was für einen PR-Roman erlaubt, schwierig, oder vielleicht doch gerade erwünscht ist.
27. Februar 2008: Zwischenspiel in den Zentralschweizer Bergen
Ein bankinternes Führungsseminar bricht meinen Schreibrhythmus. Bei herrlicher Aussicht beschäftigen wir (die Teamleiter und unsere beiden Chefinnen) uns während zweier Tage mit Konfliktmanagement. Ein wichtiges Thema, ganz besonders in den turbulenten Zeiten, in denen wir uns derzeit befinden.
Nachdem ich in den letzten sechs Wochen ein einziges mickriges Bier getrunken habe (an einem SCB-Match), beschließe ich, die Auszeit auf der Rigi auch für die so wertvollen kohäsiven Eigenschaften von vergorenem Gerstensaft und destilliertem Zuckerrohrextrakt zu nutzen. Nach ein paar Stunden
nicht erholsamen Schlafes finde ich mich plötzlich bei Regen, Kälte und Wind auf dem Vorhof des Hotels und eine Nordic-Walking-Trainerin instruiert uns in erbarmungsloser Härte im Gebrauch dieser komischen Skistöcke. Arme nach vorn, Arme nach hinten, Daumen so, nein so, nein so – und schon wieder die Arme vergessen?
Auf dem Gipfel der Rigi, da wo sie einen armen halbnackten Jesus hingehängt haben, überspannt die Dame dann den Faden, als sie uns mit den doofen Stöcken auch noch zum Hüpfen bringen will. Ich blicke in die kalten Nebelschwaden, die von einem eisigen Wind über den Grat getrieben werden, und stelle mir vor, wie sich einer meiner Skistöcke in einen dieser schnittigen Nadler aus PRA01 verwandelt, ich unseren Drill Sergeant perforiere und sie in den nächsten Tobel stürzt. Das hilft, und meine Laune bessert sich ein wenig.
Ich will hier noch anfügen, dass ich in meiner Militärzeit schon eine Infanterie-Offiziersschule erfolgreich hinter mich gebracht habe. Aber was zuviel ist, ist zuviel. Lustenberger heißt die Dame – wobei nur das »berger« ihrem Naturell zu entsprechen scheint.
3. März 2008: »Send Mail«
Montag Mittag, 12:07: Ich klicke auf »Send« und schicke mein Manuskript auf den Weg nach Rastatt. Ein leises Zittern haben meine Finger erfasst, und die Augen brennen übelst. Hinter mir liegt eine 26-Stunden-Schreibschicht.
Gestern Morgen um 10 Uhr war ich in den Zug eingestiegen und absolvierte meine Lieblingsstrecke Bern-Brig-Roman(nomen est omen)shorn-Bern-Brig gleich zweimal. Dabei überarbeitete ich nochmals meinen ganzen Roman dank der vielen wertvollen Hinweise meiner beiden Testleser. Das Kapitel 1, mein ewiges Sorgenkind, schrieb ich zwischen 20 Uhr abends und 3 Uhr morgens zur Hälfte neu und auch beim Kapitel 3 füge ich eine zusätzliche Handlung bei.
Mir ist bewusst, dass dieser Text ohne gründliche Überarbeitung noch den einen oder anderen Holperer drin haben wird, doch ich will den Roman unbedingt fertig haben, wenn Klaus am Montag Morgen wieder im Büro ist. Dass es schlussendlich Mittag wird, halte ich persönlich für einen guten Kompromiss: So kann ich beweisen, dass ich ein Manuskript innerhalb einer gewissen Toleranzfrist einreichen kann, ohne gleich als Frühabdrücker abgestempelt zu werden.
Nach dem Abschicken der Mail sacke ich ein wenig in mich zusammen und frage mich wiedermal, was zum Teufel in Terras Hallen in den letzten Monaten geschehen ist.
7. März 2008: »Noch ein wenig warten«
PERRY RHODAN-Stammtisch in Duisburg: Benjamin informiert mich, dass Klaus leider noch nicht dazu gekommen sei, mein Manuskript zu lesen und wir deshalb meine Mitarbeit an PRA heute Abend nicht offenlegen werden. Klar, bin ich im ersten Moment enttäuscht, dass ich den 40 anwesenden Freunden und Fans der Serie nicht sagen darf, dass ich nun zum PRA-Autoren mutiert bin.
Die Abmachung zwischen der Redaktion und mir war aber klar, und so muss ich halt noch ein wenig mit dem Coming-Out warten. Nichtsdestotrotz erlebe ich ein wunderbares Wochenende im Ruhrgebiet und freue mich über das allgemeine Interesse der Leser an PERRY RHODAN-Action!
11. März 2008: »PERRY RHODAN-Action-Autor Marc A. Herren«
Der Betreff der E-Mail von Benjamin springt mir ins Auge, und mein Herz macht einen Sprung. Der Klaus sei zwar erst mit 60 Prozent durch, doch er finde mein Manuskript gut genug, sodass nun informiert werden dürfe.
In der Folge werde ich von E-Mails, Postings und Persönlichen Nachrichten im
PERRY RHODAN-Forum 
zugedeckt und versinke in einem Trudel der Glückseligkeit. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Nachricht so positiv aufgenommen werden würde.
28. März 2007: »Autsch!!«
Klaus hat sich große Mühe gegeben mit meinem Skript. Er hat viele handschriftliche Bemerkungen angebracht und es mir zurückgeschickt, damit ich es überarbeiten kann. Es handelt sich meist um kleine Sachen, unschöne passive Formulierungen, die den Leser nicht zu packen vermögen. Da ich heute Nacht wieder in der Backstube mitarbeiten werde und morgen konzentriert an der Überarbeitung feilen will, beschließe ich, mir schon vor der Nachtschicht ein paar Stunden Schlaf zu gönnen.
Auf der Fahrt ins Mösli erhalte ich eine SMS von Tamara. Sie wohnt in der Ostschweiz und fragt, ob ich was unternehmen möchte. Ich rufe an und sage ihr, dass das leider nicht geht, da ich eben heute Nacht und morgen arbeiten werde und noch ein wenig Schlaf benötige. »Schade«, meint sie. In diesem Moment höre ich eine weibliche Stimme im Hintergrund und schlagartig begreife ich die Situation: Tamara ist bei ihrer Cousine zu Gast, die zufälligerweise den Titel »Miss Bern« trägt. Und ebenjene Stimme fragt: »Kommt er auch? « Etwas in mir zieht sich zusammen. »Nein«, höre ich Tamara sagen. »Er muss arbeiten.«
Autsch!! So ging ich dann nach Hause und benötigte ziemlich lange, bis ich endlich einschlafen konnte.
Wer also bisher meinte, dass einem als junger Autor die schönen Frauen nur so zufliegen würden, den muss ich entschieden berichtigen: Es ist genau anders herum.