Ein Interview mit Carolina Möbis

von Christian Montillon

PRA-Exposé-Autor Christian Montillon hat sich vor einiger Zeit mit der Jungautorin Carolina Möbis getroffen, die mit dem Band »Tod in Terrania« ihre PRA-Premiere feierte. Das daraus resultierende Interview möchten wir euch nicht länger vorenthalten. 


Carolina, du bist die erste PRA-Autorin aller Zeiten. Was ist das für ein Gefühl?

Ein gutes, nehme ich an. Ehrlich gesagt, habe ich mir darüber wenig Gedanken gemacht. Ich bin froh, einen Einstieg in das hochgradig spannende Perryversum gefunden zu haben, denn die Vielfalt und Detailfülle ist durchaus respekteinflößend.

Glaubst du, dass du »als Frau« anders schreibst? Hast du in deinen PRA-Roman versucht, eine speziell weibliche Seite reinzubringen - oder gibt es so etwas gar nicht?

Oha, eine Gender-Frage. Dazu wären aber sicher Virginia Woolf oder auch Fritz Gesing die kompetenteren Ansprechpartner. Ob ich persönlich anders schreibe als meine männlichen Kollegen? Ich denke schon. Aber ich schreibe auch anders als viele weibliche Kollegen. Immerhin habe ich Battletech geschrieben. Also Narrativen, in denen die namensgebenden titanischen Kampfroboter eine nicht unbeträchtliche Rolle spielen. Noch Fragen, Euer Ehren? Eigentlich versuche ich nur, gute, spannende Geschichten zu erzählen. Ob ich dabei nun einen frauentypischen Stil habe, das Urteil sollen andere treffen.

Ich konnte mir die »geschlechtsspezifische Frage« nicht verkneifen, weißt du ... auf der Uni hab ich viel in dieser Richtung erlebt. Etwa, als eine Frau sich beschwerte, dass in einem Kirchenlied nur männliche Personen als Beispiele aufgezählt wurden – das Problem war nur, dass es in der logischen Kette alttestamentarischer Patriarchen nun mal keine Frauen gab; ich konnte mir damals die Bemerkung nicht verkneifen, dass ich »als Mann« Probleme mit der Bezeichnung »Mutter-Kind-Parkplatz« habe. Aber zurück zu dir! Erzähl bei der Gelegenheit doch etwas über dich. Was bedeutet das Schreiben von Romanen/Geschichten für dich?

Schon als Kind von zehn Jahren wollte ich Schriftsteller werden. (O-Ton eine ältere Bekannte: Du wirst niemals Schriftsteller, du wirst SchriftstellerIN! – Soviel zum Thema Gender.) Als Teenager schrieb ich kleinere Geschichten und da wir damals noch nicht über einen Internetanschluss verfügten, blieben diese Machwerke glücklicherweise unveröffentlicht. Später befasste mich dann ernsthaft mit der Kunst des Geschichtenerzählens.
Den Wunsch nach der Schriftstellerei legte ich dann kurzfristig zugunsten eines anständigen Monatseinkommens zu den Akten, nur um ihn bald wieder heraus zu kramen. Ich hatte festgestellt, dass Schreiben der einzige Beruf ist, der mich dauerhaft glücklich macht. Also hatte ich keine andere Wahl.

Dieser Roman ist nicht deine erste Veröffentlichung – mach doch etwas Werbung in eigener Sache. Warum sollte man deinen Battletech-Roman kaufen?

Mein erstes Battletech-Buch, »Duo Infernale«,  ist so geschrieben, dass auch Leute daran Spaß haben können, die Battletech nicht kennen. Ich habe in dem Roman großen Wert auf Charakterinteraktion gelegt, weniger auf Mechgefechte und technische Details. Daher muss man als Leser keine Vorkenntnisse mitbringen, um der Handlung folgen zu können. Außerdem ist das Buch mit einem Augenzwinkern geschrieben und der eine oder andere Leser soll auch schon gelacht haben. »Royal Flush«, das keine Fortsetzung zu »Duo Infernale« darstellt, taucht dann schon tiefer ins Battletech-Universum ein, es war auch Teil eines Zyklus. Dort gab es ähnlich wie bei PRA inhaltstechnische Vorgaben und einen festgelegten Meta-Plot, sodass dabei ein gänzlich anderes Buch herausgekommen ist als mein Erstling. Da diesmal eine Militäreinheit im Mittelpunkt stand, habe ich sehr viel über Militärtaktiken, Hierarchien, Sprachgebrauch und das soldatische Leben im Einsatz recherchiert. Schließlich wollte ich mir nicht sagen lassen, dass ich als Frau keine Ahnung vom Thema hätte. »Royal Flush« ist also eher was für Fans von Military-SF.

Wie hast du dich auf deinen PRA-Roman vorbereitet? Wenn ich's recht weiß, hast du Perry ja noch nicht mit der Muttermilch in dich aufgenommen wie manch anderer Fan ...

Stimmt. Aber meine Mutter las Stanislaw Lem. Ich erinnere mich noch gut, dass ich als kleines Kind oft die bizarr illustrierten Einbände der Science-Fiction-Wälzer angeschaut und mich gefragt habe, was da wohl für Geschichten dahinter stecken mögen.  Später, mit vierzehn, lernte ich PERRY RHODAN über eine gleichaltrige Freundin kennen, die die Heft-Sammlung ihres Vaters entdeckt hatte. So kam ich in den Genuss der frühen Hefte. Da Beständigkeit jedoch nicht unbedingt eine typische Eigenschaft vierzehnjähriger Mädchen ist, musste Perry dann den Themen »Jungs« und »Star Trek« oder wahlweise auch »Jungs aus Stark Trek« weichen. Dass ich später noch einmal zu der Serie zurückkehren würde, noch dazu von der produzierenden Seite, hätte ich damals nicht gedacht. Bei meinem Wiedereinstieg halfen drei Dinge: die Romane, die Perrypedia und natürlich das großartige Team der Serie, angefangen bei den nahezu allwissenden Herren Klaus N. Frick und Alexander Huiskes, die in jeder Frage weiterhelfen konnten, und nicht zuletzt auch den hilfsbereiten Autoren-Kollegen. Der Rest war Recherche, Recherche, Recherche…

Wo war die Arbeit besonders schwierig? Etwa im Umgang mit einem doch recht ausführlichen Exposé?

Nein, die Ausführlichkeit des Exposés half mir sogar weiter. Da hatte ich ein gutes Gerüst, mit dem ich arbeiten konnte. Als Neuling dem äußerst komplexen Hintergrund und den etablierten Charakteren gerecht zu werden, das war wahrscheinlich das Schwierigste.

Hast du mit deinen Vor- und Nachautoren zusammengearbeitet?

Ja, mit Michael Marcus Thurner. Aber davon habe ich sicher mehr profitiert als er.

Nun noch die ultimative Abschlussfrage: Wie wird man PRA-Autorin? Welche Tricks und Kniffe muss man anwenden?

Ist das eine Fangfrage? Im Ernst, ich weiß auch nicht, ob es da ein Patentrezept gibt. Sagen wir einfach, ich hatte das Motiv, die Gelegenheit, den Willen zur Tat und keinen, der mich davon abhielt. Noch ernsthafter gesprochen: Ich glaube, in meinem Fall kam begünstigend hinzu, dass ich zuvor ja schon actionbetonte Sci-Fi geschrieben hatte. Außerdem habe ich der Redaktion eine Stilprobe geschickt, die sie nicht abgeschreckt hat. Und der Rest war fleißiges Schreiben.

Carolina, vielen Dank für die Zeit, die du dir genommen hast und dass du meinen neugierigen Fragen nicht ausgewichen bist.