Versuch eines Werkstattberichts

Ich bin kein typischer Autor. Ich bezweifele auch, dass es so etwas wie den »typischen Autor« gibt. Also bin ich in meiner Un-typisch-keit schon wieder typisch.

Stufe 0 ist das Erreichen der Stufe, überhaupt für einen PERRY RHODAN-Roman vorgesehen zu werden. Ich durfte mein Bewerbungsgespräch mit dem Praktikanten Benjamin »Benny« Golling führen, damit keiner sagen kann, Klaus N. Frick in seiner Funktion als Redakteur hätte mir den Job zugeschustert, weil wir uns so lange kennen. Mit einem veröffentlichten »BattleTech«-Roman in der Tasche war es etwas einfacher, Benny von meinen schriftstellerischen Fähigkeiten zu überzeugen. Auch der Verkauf zweier Geschichte an »Ren Dhark« vor ungefähr 20 Jahren überzeugte ihn sofort von meinen Fähigkeiten.

Stufe 1 ist, dass ich alles Material für den Roman sammele. Ich lese alles, mache mir Notizen. Dann verkleinere ich die ganzen Ausdruck auf 75 Prozent und klebe sie brav auf C6-Karteikarten. Ehrlich! Ich habe die Karten noch und kann alles beweisen! Die Unterlagen werden dann sortiert – inhaltlich und später in der Reihenfolge der Handlung. Lücken recherchiere ich, eigenartige Ideen sortiere ich ein.
Bei der Gelegenheit: Die frühen Mutanten habe ich im Internet recherchiert. Mein Dank an die vielen Fans, die sich hier viel Arbeit gemacht haben!

Am Ende habe ich einen Stapel von vielleicht 60 Karten für einen PERRY RHODAN-Action-Roman zusammen, die ich der Reihe nach durchgehe und abarbeite, wenn es an das Schreiben geht.
Achja: Kein Perry Rhodan selbst. In meinem Heft sollte kein Perry auftauchen. Ob das die Hürde ist, die man neuen Autoren legt, damit sie nichts falsch machen?

Kein Perry, dafür zwei Frauen und ihre Probleme. Ob mein Beruf als Sozialarbeiter geholfen oder geschadet hat, als ich diese Szenen beschrieb, darf der Leser entscheiden. Intern hieß das Heft bei mir lange »Hanni & Nanni im Weltraum«. Aber diesen Untertitel hat der Verlag leider nicht akzeptiert.

Stufe 2 ist die Zeitplanung. Ich weiß, wann ich abgeben muss. Ich weiß also, was ich an jedem Tag schreiben muss, um das Ziel zu erreichen. Mache ich an einem Tag mehr, habe ich am nächsten mehr Luft. Mache ich zu wenig, habe ich am nächsten Tag Stress. Während des Schreibens habe ich festgestellt, dass ich mit Abendstunden nicht allein klar komme. Also habe ich jede Woche einen Tag Urlaub genommen, um ihn nur mit Schreiben zu verbringen. Das klappte überraschend gut.
Stufe 3 ist die Absprache mit den anderen Autoren. Achim Mehnert war bei einem Essen in Köln sehr hilfreich, kollegial und ausgesprochen unterhaltsam. Seine Mantra »Übergang kommt« vom Vor-Roman erwies sich zwar – bis es fast zu spät war – als Mantra, aber er lieferte. Hilfreich war ein Gespräch mit Chris Montillon auf der Buchmesse (»Du schaffst das schon!«, war das Montillon-Mantra) und ein Telefongespräch mit Marc A. Herren, der sicherlich mehr Erfolg bei Frauen hätte, wenn er seine richtige Telefonnummer auf seinen Visitenkarten vermerken würde. Per E-Mail bekam ich dann doch Kontakt zu ihm – im Gegensatz zu der gutaussehenden Lektorin eines anderen Verlages, die ihn nie erreichte. Er bat darum, dass ich bei Anrufen auf der Arbeit bei ihm irgendeine wichtige Sendung angebe, für die ich arbeite, oder eine große deutsche Zeitung, um seinen Ruhm in der Firma zu steigern. Ich behauptete dann gegenüber seinen Kollegen, ich sei von »Frau mit Herz« und wolle zu ihm durchgestellt werden. Ehrlich!

Schön war das PERRY-Meeting am Rande der Buchmesse, wo ich endlich den Satz anwenden konnte, den ich schon sooooo lange loswerden wollte: »Eigentlich müsste ich ja daheim sein und schreiben.« Danke euch allen!

Stufe 4 ist das Ambiente. Ich höre gerne Musik beim Arbeiten. Also habe ich – finanziell völlig sinnlos – etwa sechs oder acht CDs gekauft, damit ich beim Arbeiten voll motiviert bin. Das ging von ASP über Bronski Beat bis zu Randy Newman und ein wenig Klassik. Außerdem esse ich beim Schreiben pro Tag etwa zehn riesige Nougat-Riegel, was meine Diät völlig über den Haufen geworfen hat. Alles keine wirkliche Hilfe für junge Autoren, wie ich mal anmerken möchte.

Stufe 5 sind die Lücken, die irren Ideen, die echten Ausreißer, die man unterbringen muss, weil sie einen begeistern, einen von Szene zu Szene peitschen. Und dann doch der Kampf gegen die Schreibblockade, weil man nicht weiß, wie die nächste Szene laufen soll. Das Hindi-Kinderlied war eine irre Idee und erforderte mehrere Stunden Recherche. Aber es war es wert. Die Räume voll Skeletten sind nicht in den Roman eingeflossen, genauso wenig wie die »Nasenhaare der Unsterblichkeit«. Wären sicherlich ein Hammer geworden.

Stufe 6 ist mein Umfeld. Zuerst meine Freundin, die meine Launen und Eigenartigkeiten ertrug. Stundenlang saß ich am Rechner und spielte »Heroes of Might & Magic IV«, während mein Hirn über Tarkalon reiste und Szenen erfand. Ehrlich!
Mein Dank an Marc A. Herren (noch einmal!), der mir ans Herz legte, Probeleser zu überreden, meinen Roman zu lesen. Daher mein Dank an meine »alten Kumpels« Erik Schreiber und Harald Zubrod, die an einem schnellen Wochenende den Roman lasen und mit Kommentaren zurückschickten.

Stufe 7 ist Handwerk, reines Handwerk. Schmerzende Hände vom Tippen massieren. Falsche Kommas korrigieren, etwa 80 »auch« streichen und schauen, ob man nicht doch das hessische »selbert« irgendwo untergebracht hat. Den Roman fertig machen, an den Verlag mailen und darauf warten, dass er gedruckt wird. Und warten. Und warten. Und warten.

Stufe 8 erwarte ich begierig. Auftritte in Buchläden. Lesetouren durch deutsche Großstädte. Groupies auf Cons, das Signieren von Heften für Fans, das selige Lächeln im Bekanntenkreis, wenn ich »meinen PERRY« vorführen kann und das Leugnen am Arbeitsplatz, wenn mich jemand süffisant lächelnd fragt, ob das »Schundheft« von mir sein.
Ich leugne dann nicht, ihn geschrieben zu haben. Ich sage dann nur, dass eine Serie, die Hefte von mir veröffentlicht, keine »Schundhefte« enthält.