Ein Interview mit Andreas Kasprzak

von Benjamin Golling

»Mein PR-Action-Roman verknüpft die losen Enden der vorigen Bände miteinander. «

Andreas Kasprzaks Arbeit lässt sich am treffendsten durch ein Wort beschreiben: vielseitig. Der Schriftsteller ebnete seinen beruflichen Werdegang mit Heften zu Romanserien wie »Jerry Cotton« und »Professor Zamorra«. Nahezu zeitgleich begann er mit seinen ersten professionellen Übersetzungen. Sachbücher, Kurzgeschichten, Fantasy-, Science-Fiction- und Kriminalromane folgten. Zudem hat es dem Autor die weite Welt der Computerspiele angetan. Dutzende Lösungsbücher schrieb der ausgebildete Buchhändler, dazu Romane zu millionenfach verkauften PC-Games. Verfolgt man den roten Faden seiner Veröffentlichungen, so wird deutlich, dass Andreas Kasprzak sich von seinen Heftroman-Anfängen in viele verschiedene Richtungen entwickelt hat. Umso überraschender scheint es, dass es ihn nach so langer Zeit zur »Mutter aller Heftromanserien« verschlagen hat.

Endlich dürfen wir dich mit diesem noch jungen Spin-Off im Perryversum begrüßen. Wie bewertest du die aktuelle Handlung des Kristallmond-Zyklus?


Ich denke, dass der PRA-Redaktion und den Stammautoren nach dem Demetria-Zyklus wieder eine spannende, runde Geschichte gelungen ist, die auch PERRY RHODAN-Novizen wie mich anspricht. Neuleser werden nicht mit der Komplexität des über die vielen Jahre gewachsenen Perryversums erschlagen. Auch ohne Vorkenntnisse findet man sich relativ problemlos zurecht, was für mich auch den Ausschlag dafür gegeben hat, letztlich in das Projekt einzusteigen.

Wie kam die Zusammenarbeit mit der PERRY RHODAN-Redaktion zustande?


Seit ungefähr zehn Jahren haben Klaus N. Frick und ich versucht, endlich mal ein Projekt miteinander zu bewerkstelligen. Unser erster Versuch war die Arbeit am Pilotband zu einer leider nie realisierten Jugendbuchserie rund um Gucky, den Mausbiber. Dann wurde ich einige Jahre später gefragt, ob ich gern an ATLAN mitarbeiten würde, was aus Zeitgründen jedoch nicht klappte. Auch war ich bereits für die erste PRA-Staffel als Gastautor vorgesehen, musste allerdings auch hier wieder aus Termingründen absagen. Dass es nun endlich mit der zweiten Staffel hingehauen hat, freut mich ebenso sehr wie der Umstand, dass Klaus offenbar nie den Glauben an eine konstruktive Zusammenarbeit aufgegeben hat. Abgesehen davon finde ich es spannend, zu sehen, wie die Redaktion das Potenzial von PERRY RHODAN konsequent ausschöpft. Als einziger deutscher Verlag macht sie das, was amerikanische Firmen – ob nun Buchverlage, Filmstudios oder Spieleentwickler – schon seit Jahrzehnten tun: Sie transportiert PERRY RHODAN auf verschiedenste Plattformen und baut so die Marke konsequent aus. Es gibt Computerspiele, Hörbücher, Brettspiele, Comics und weiß Gott noch alles zu PERRY RHODAN. Wahnsinn! Klaus ist sehr umtriebig und will das Beste für das Produkt. Ihn darin ein kleines Stück unterstützen zu können, ist ein großes Privileg.
 
Kennst du die Romane der ersten PRA-Staffel oder hast du gegebenenfalls bewusst von ihnen abgesehen, um die aktuelle Handlung nicht zu verwässern?

Ich habe alle bisherigen Bände der zweiten Staffel gelesen, muss jedoch gestehen, dass ich mir die erste Staffel »bloß« in den wunderbaren Hörbuchfassungen zu Gemüte geführt habe. Meist beim Autofahren oder bei meiner allmorgendlichen Badewannensitzung, bevor der Trubel des Tages losgeht. Da die Handlungen der beiden Staffeln allenfalls am Rande etwas miteinander gemein haben, konnte ich die erste Staffel relativ gut als »Unterhaltung« betrachten. Und natürlich als Möglichkeit, mehr über die Serie zu erfahren, da ich mit PERRY RHODAN bislang nur wenig Berührungspunkte hatte – was sich mittlerweile natürlich geändert hat.

Wie gestaltete sich die Arbeit an deinem PRA-Roman? Kannst du uns schon Details verraten?
 
Der Roman heißt »Splitter des Feindes« und verknüpft viele der losen Enden aus den vorherigen Bänden miteinander. Diese Art und Weise, an einen Roman heranzugehen, war völlig neu und anfangs sehr bizarr für mich: Man bekommt ein umfangreiches Exposé, in dem praktisch schon alles steht, was im Roman vorkommen soll. Nun muss dieses Skelett mit Fleisch versehen werden. Hier bewegt man sich innerhalb eines sehr eng gezurrten Korsetts und muss sich die Puzzleteilchen zu einem Gesamtbild zusammensetzen. Das war nicht immer leicht, und ich gestehe, dass sich mein Roman doch etwas von den anderen unterscheidet. Der Stil und die Herangehensweise an das Thema ist einfach anders. Auch habe ich mir aus Platz- und dramaturgischen Gründen die Freiheit genommen, in einigen Punkten vom Exposé abzuweichen und meine eigene Vorstellung der Geschehnisse zu Papier zu bringen. Da die Sache inhaltlich am Ende jedoch auf dasselbe hinausläuft, hat man mich dafür von Seiten des Verlags bislang noch nicht rechtlich belangt. Was sich natürlich noch ändern kann ...

Befragt man Google über dich, stößt man auf eine unglaublich große Bandbreite an Büchern: Sachbücher, Lösungsbücher und Belletristik zu Computer-Games, Übersetzungen (u.a. »Star Wars«), Rollenspiel- und Fantasy-Bücher. Wann hast du dein Faible für die Phantastik entdeckt?

Phantastik und Spannung sind von jeher meine Grundinteressen, egal in welchem Medium. Meine erste Leseerfahrung als Jugendlicher war »John Sinclair«. Dann kam Stephen King, weil mir diese legendären drei Punkte in den »Sinclair«-Heften, die immer dann kamen, wenn es richtig cool wurde, bald zu nervig wurden. Irgendwann bekam ich schließlich eine mechanische Reiseschreibmaschine geschenkt, so dass ich meine eigenen verqueren Gedanken zu Papier bringen konnte. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Und durch wen wurdest oder wirst du eventuell noch heutzutage inspiriert?

Was die Vergangenheit angeht, so kann ich sicher einige Namen nennen: Die frühen Romane von Stephen King fand ich immer großartig. Generell haben mich die Bücher und Autoren der ausgehenden achtziger und der beginnenden neunziger Jahre wohl am meisten geprägt: Peter Straub, James Herbert, einige der Splatterpunks rund um Skipp/Spector und natürlich Clive Barker, dessen »Bücher des Blutes« auch heute noch unerreicht sind. »Blutbücher sind wir Leiber alle – wo man uns aufschlägt, lesbar rot.« Wenn das kein Klassiker ist!
In der Gegenwart hingegen fällt mir eigentlich bloß ein einziger Autor ein, den ich über die Maßen schätze und als echte Inspiration betrachte, und das ist Matt Ruff, der Verfasser so großartiger Romane wie »Fool on the Hill«, »G.A.S. – Die Trilogie der Stadtwerke«, »Ich und die anderen« und zuletzt »Bad Monkeys«. So schreiben zu können, ist ein Geschenk!
Grundsätzlich sind es heutzutage eher Filme und Fernsehserien, die mich beeinflussen, auch, weil es immer weniger Bücher gibt, die mein Interesse wecken. In diesem Sektor hingegen tut sich derzeit so einiges, Ich liebe beispielsweise alles, was Joss Whedon macht, der nicht bloß »Buffy« und »Angel« kreiert und für »Toy Story« den einzigen jemals für einen Trickfilm vergebenen Drehbuch-Oscar eingeheimst hat, sondern auch für die großartige SF-Serie »Firefly« verantwortlich zeichnet. Okay, »Firefly« wurde nach zwölf Folgen eingestellt, aber immerhin hat die Begeisterung der Fans dazu geführt, dass mit »Serenity« noch ein Kinofilm nachgeschoben wurde, der viele offene Handlungsebenen zum Abschluss brachte. Ein Kinofilm, der auf einer abgesetzten Fernsehserie basiert – das ist wohl absolut einmalig und zeigt einfach nur, dass die Welt für bestimmte Stoffe manchmal einfach noch nicht reif ist, wenn sie zum ersten Mal auftauchen.

Ich entdeckte auf meiner Kasprzak'schen Internetrecherche auch ein sehr schön gestaltetes Hilfsbuch zu »World of Warcraft«, das mit elf Millionen Nutzern meistgespielte Online-Rollenspiel der Welt. Wie kamst du zu diesem Projekt?

Mit »World of Warcraft« bin ich von Anfang an eng verbunden gewesen. Ich habe zwei dicke Questguides von jeweils ca. 1000 Seiten verfasst, in denen insgesamt fast 6000 Quests aus dem Spiel gelöst werden. Ich habe maßgeblich an einem Gameguide mitgearbeitet, und zum kürzlichen  Release des Add-ons »Wrath of the Lich King« haben wir mit einem Questguide zur Erweiterung nachgelegt. Außerdem hat mein Büro gerade für den Panini-Verlag einen wunderhübschen Bildband zum Spiel produziert, der im Frühjahr 2009 erscheint. Man kann also mit Fug und Recht behaupten, dass mich »World of Warcraft« seit seinem Erscheinen vor fünf Jahren permanent begleitet hat.

Was hast du nach deinem aktuellen PRA-Roman geplant? Blut geleckt? Vielleicht noch einen PERRY RHODAN?

Sofern ich nicht von aufgebrachten PRA-Fans gesteinigt werde, die mit meinem Roman so gar nichts anfangen können, und man seitens der PR-Redaktion von Neuem auf mich zukommt, würde ich wohl nicht nein sagen. Zumal ich mich jetzt einigermaßen mit dem Perryversum vertraut gemacht habe und weiß, dass ich damit irgendwie zurechtkomme – selbst wenn ich immer ein »PR-Newbie« bleiben werde.

Vielen Dank für das Interview, Andreas.