Mit Perry durch die Serienvergangenheit
Autor:
Benjamin Golling
Ich erinnere mich noch gut daran, als mir Klaus N. Frick zu Beginn meines Praktikums eine Fülle von »langfristigen Arbeiten« eröffnete; sozusagen diverse Gründe, wieso die Redaktion dringend eine weitere helfende Hand benötigte. Eine dieser Aufgaben war nicht nur die umfassendste, sondern genauso die interessanteste für mich als redaktionell unerfahrener Praktikant: die Redaktionsassistenz für eine neue Heftromanserie namens PERRY RHODAN-Action.
»Ein Projekt«, so erläuterte Klaus, »welches wir vor allem in der Anfangszeit nur schwer allein stemmen können.« Diese Aussage machte mich natürlich stolz, selbst im Bewusstsein, dass ich nicht wegen meinen Qualitäten, sondern aus reiner »Ressourcenknappheit« dazu gekommen war.
Doch Stolz allein beschreibt nicht, wie ich mich damals gefühlt habe. Zum ersten Mal trug mir jemand Verantwortung auf, die über den Anspruch der Selbstbestimmung eines Neu-Abiturienten hinaus ging. Deshalb machte ich mir auch ein wenig Sorgen, ob ich alles zufriedenstellend hinbekommen würde. Während die Sorgen jedoch verflogen, behielt ich den Respekt bei, denn er half mir, die anstehenden Aufgaben mit Enthusiasmus und Elan anzugehen - schließlich wollte ich meine Aufgabe mindestens zufrieden stellend erfüllen.
Andererseits fielen damals die ersten Blätter von den Bäumen, die vor dem Verlagsgebäude stehen. Mitte Oktober schien es mir noch viel zu lange zum Serienbeginn, dass sich ein Grämen tatsächlich gelohnt hätte. So machte ich mich an andere Arbeiten, und PERRY RHODAN-Action geriet (fast) in Vergessenheit. Solange, bis ich eines Tages zu der wichtigen Erkenntnis gelangte, dass Zeit eine ungemein relative Größe ist und innerhalb der PERRY RHODAN-Redaktion die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Zeit relativ schnell vorüber geht.
Wo die Tage geblieben sind, ist mir bis heute ein Rätsel, wenn auch nicht das erste diesbezüglich. So fand bald die entscheidende Teambesprechung zu PRA statt, wie wir es fortan intern abkürzten. Wir trafen uns im tiefsten Herbst in der tiefsten Pfalz zum Besprechen. Gemeint sind Expokrat Christoph Dittert, Daten-Rechercheur
Alexander Huiskes 
, Chefredakteur Klaus N. Frick und eben Chefpraktikant Benjamin Golling. Gerade letzterer war gespannt auf seinen ersten außerordentlichen Arbeitstag, welcher auch noch im Kreis eines Autors und des Lektorats stattfinden sollte.
Im Nachhinein betrachtet blieben mir zwei Dinge besonders im Kopf: Klaus, der mir sagte, dass es Tage wie diese sind - kreativ und etwas neues schaffend -, die seinen Beruf so einzigartig machten, und mich, als ich irgendwann während der Gesprächsrunde feststellte, welches Pseudonym hinter diesem einen anwesenden Menschen steckt:
Christian Montillon 
. Wenn ich das gewusst hätte, wäre wenigstens einer seiner Romane auf meinem Nachttisch gelandet ...
Besonders gefreut hat es mich, dass ich von Anfang an einbezogen wurde und die Entstehung einer Serie sozusagen von der Saat an miterleben durfte. Der darauffolgende Serienalltag hatte es jedoch genauso in sich, wie besondere Besprechungen mit Kaffee und Kuchen: Es galt eine Homepage zu gestalten und mit Inhalten zu füllen, mit den Kolleginnen und Kollegen Zeitpläne auszuarbeiten, die Autoren auf dem Laufenden zu halten und gleichzeitig neue Informationen einzuholen. Es galt Titelbilder zu besprechen, Exposés zu lesen, Autorenversionen, lektorierte Versionen, zweifachlektorierte Versionen, außenlektorierte Versionen, Hörbücher, Audiofiles, Podcasts ... und so weiter.
Was sich für den ein oder anderen wie ein Traum anhört, kann mit ansprechendem Druck dann schnell zum schweißgebadeten Aufwachen führen. Trotzdem hatte ich soviel Spaß wie kaum einmal in meiner gesamten Schulzeit. Vielleicht lag es an der Erkenntnis, dass je mehr ich mich für PERRY RHODAN-Action engagierte, desto mehr bekam ich zurück.
Letztlich geschehen bei solchen Kraftakten auch hier und da Missgeschicke und Fehler. Wenngleich man diese nicht selbst verschuldet hat, fühlt man sich den Lesern stets verpflichtet; Menschen, die die Serie lieben. Auch wenn nie alles hundertprozentig funktionieren kann und es an allen Ecken und Kanten klemmt, so sind es immer die Leser, für die man gern ein oder zwei Stunden mehr Arbeit in Kauf nimmt. Und so vergeht die Zeit ...
Vergangenen Freitag ist nun der zwölfte Band des Demetria-Zyklus’ erschienen. »Die Robotgarde« von Christian Montillon markiert nicht nur das Ende der ersten PRA-Staffel, sondern auch für mich den Abschluss eines wahrhaft actionreichen Jahres. Wenn am 19. September »Die Trümmerwelt« von Frank Borsch erscheint, geht es nicht nur für Perry auf eine neue Reise.
Durch Lesebefragung und die Annahme von Kritik und Lob bin ich frohen Mutes, dass der Kristallmond-Zyklus noch erfolgreicher und eine Bereicherung für das Perryversum sein wird. Ich bin froh, sowohl an der ersten Staffel wie auch an den Vorbereitungen zur zweiten Staffel mitgewirkt haben zu dürfen. Fast alles, was ich mir als »PRA-Redaxgehilfe« vorgenommen habe, hat eigentlich gut funktioniert. Nur für die Hörbuch-Hörer gab es letztlich kein Happy End. So teilte mir der Verlag
Eins A Medien 
just mit, dass es keine zweite Hörbuch-Staffel mehr für PERRY RHODAN-Action geben wird:
»Mit großem Bedauern sehen wir uns aus wirtschaftlichen Gründen gezwungen, die Hörbuch-Reihe von PERRY RHODAN-Action einzustellen. Die Anzahl der Abonnenten war letztlich leider zu gering, um eine Fortführung zu gewährleisten. Doch keine Sorge, auch in Zukunft werden wir dem Perryversum und seinen Anhängern mit vielen Produkten treu bleiben. Wir bedanken uns bei den Abonnenten der Lesungen des Demetria-Zyklus' und hoffen, euch auch weiterhin als Hörer mit unseren Produkten begleiten zu dürfen.«
Leider kann nicht alles (reibungslos) funktionieren. Es wäre meiner Meinung nach falsch, sich an Fehlern, Missgeschicken oder nicht funktionierenden Angeboten aufzuhängen. Ich für meinen Teil blicke stolz zurück und erneut mit Enthusiasmus und Elan in die Zukunft.