Zweiter Teil des Interviews mit Dominic Beyeler

von Christian Montillon

Hast du schon mal überlegt, in die Zunft der Autoren überzuwechseln?

Okay, werden wir also wieder Ernst: Was sich ein paar Tage danach ereignete, blieb mir bis heute ein unerklärliches Phänomen. Ich verspürte auf einmal ein unheimlich starkes Bedürfnis, mir orange-farbene Unterhosen zu kaufen. Diese auch zu tragen. Es ging weiter mit einem orangen Pullover und einer orangen Sonnenbrille. Doch das ist lange nicht alles, Zahnbürste, Duschvorhang, Portemonnaie, Sofa, ja sogar mein Auto musste zwingend in dieser ekelhaft grellen Farbe sein. Es gibt absolut nichts, was ich heute besitze, das nicht orange ist. Schuhe und Socken, Zigaretten und Feuerzeug, Stuhl und Tisch bis hin zu Toilettendeckel und WC-Bürsten leuchten auffällig wie Straßenmarkierungen in … in dieser … dieser unerträglichsten aller Farben. Doch ich bin süchtig nach Orange. Abhängig. Ich brauche das. Es geht soweit, dass die Leute in meinem Bekanntenkreis angefangen haben, mich »Orange« zu nennen.

Nun kennen wir also das Geheimnis deines doch sehr ungewöhnlichen Pseudonyms. Bleiben wir gleich bei der Sache: Wie gehst du vor, um dir das jeweilige Motiv für die PRA-Grafiken auszuwählen?

Ich erhalte den Roman im Voraus in Manuskriptform. Beim Lesen versuche ich mir die Szenen bildlich vorzustellen. Bereits während der Lektüre entstehen auf diese Weise einige Ideen für die Illustrationen. Habe ich den Roman durch, setze ich mich hin und skizziere die Szenen, an die ich mich gut erinnern kann. So fallen schon mal alle langweiligen Ideen weg.

Langweilige Ideen in PRA-Romanen? Herr Beyeler, also bitte!

Ähm ... also ... ja. Lass es mich so sagen: So fallen schon mal alle genialen Ideen weg, an die ich mich dank der Überflutung an spitzfindigen Details durch die Autoren schon nicht mehr erinnern kann. Ich erhalte im Voraus auch die Titelbilder von Arndt Drechsler (die übrigens ganz große Klasse sind), denn es wäre ja blöd, wenn ich genau dasselbe Motiv aussuche wie Arndt. Da ich Illustrationen erstelle und keine Covers, kann ich sicher freier an die Szenenauswahl gehen und auch mal ein nebensächliches Thema auswählen. Wichtig ist mir, dass ich die Grundstimmung, die ich beim Lesen des Romans hatte, in diesem Bild konzentrieren kann und möglichst abwechslungsreiche Bildideen generiere.

Was verbindet dich mit PERRY RHODAN oder PRA im Speziellen, abgesehen von den erwähnten Fikitivtransmittern?

Allgemein verbindet mich mit Science Fiction meine Bereitschaft, im Rahmen einer Geschichte Dinge zu akzeptieren, die unglaublich sind. Korrekterweise muss man sogar sagen, ich liebe es, im Rahmen einer Geschichte unglaubliche Dinge zu akzeptieren. Ich verstehe diese SF-ist-mir-zu-unrealistisch-Rosamunde-Pilcher-Leser nicht. Was macht denn eine gute Geschichte aus? Also ich will in eine andere Welt entführt werden, in andere Personen, ach, am liebsten auf andere Planeten. Und als ich an der Lesung von Marc A. Herren in Köniz teilnahm, geschah genau das: Ich fand mich auf einem Wüstenplaneten wieder, als gestrandeter Perry Rhodan, festgehalten von Grallkriegern mit zwei Köpfen.
Sofort wusste ich, dass ich für das Perryversum gerne zeichnen würde. Umso mehr ich mich jetzt hineinlese, desto besser gefallen mir Perry und Co. Und vielleicht schaffe ich es ja irgendwann mal, einen Rosamunde-Pilcher-Leser anhand eines guten Covers vom Perryversum zu überzeugen.

Viel Erfolg dabei, Dominic ... und danke für die Zeit, die du dir genommen hast, um meine Fragen zu beantworten. Hat Spaß gemacht! Ich bin auf deine weiteren Grafiken mehr als gespannt! Wir hören/lesen/treffen uns bestimmt mal wieder.