Ein Interview mit Dominic Beyeler, Teil I
Von Christian Montillon
Dominic Beyeler ist der Mann, der sich hinter dem Pseudonym D.B. Orange verbirgt. Als dieser fertigt er zu jedem PRA-Roman eine Grafik an, die sich in der Rubrik »Illustrationen
« befindet und im offiziellen Forum
zur Serie besprochen werden kann. Bislang schneidet jede Zeichnung extrem gut ab. In einem persönlichen Gespräch mit PRA-Exposé-Autor Christian Montillon gibt der junge Zeichner Aufschluss über seine Arbeiten.
Dominic, zuerst mal etwas Allgemeines: Wer bist du überhaupt, warum bist du orange, und was in aller Welt hast du mit dem Herrn Herren zu schaffen?
Das sind ja gleich drei Fragen auf einmal ... Also: Mein Name ist Dominic Beyeler aka D. B. Orange (warum ich dieses Pseudonym wählte, dazu kommen wir vielleicht besser in einer Extrafrage). Ich bin am 18. Dezember 1984 in Riggisberg im Kanton Bern in der Schweiz geboren, und richtig: aus diesem Dörfchen kommt auch
Marc Herren! Im Nachbardörfchen Helgisried bin ich dann aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich habe einen Bruder, Roger, sowie eine Schwester, Simona, und bin der Älteste von uns Dreien.
Ich lebte bis vor zwei Jahren mit meiner Freundin (ich weiß auch nicht, wie ich sie verdient habe) im Studio meines Elternhauses. Jetzt, da wir beide verdienen und die Lehren abgeschlossen haben, sind wir zusammen nach Toffen gezogen. Ein weiteres kleines Dörfchen, dieses Mal aber etwas näher an der Hauptstadt. Madeleine und ich sind nun seit fast sieben Jahren zusammen und denken noch nicht im Geringsten ans Heiraten und Kinderbekommen. Zuerst muss ich zusehen, dass ich langsam erwachsen werde. Kann noch ein Weilchen dauern.
Wie kamst du zum Zeichnen?
Es ist klar, dass ich, wie fast alle anderen Grafiker und Illustratoren, schon früh mit Zeichnen und Malen begonnen habe. Meine Sujets drehten sich eigentlich immer um Helden-, SF- und Fantasygeschichten. Comics waren und blieben meine Leidenschaft; ich nenne eine wirklich stolze Comicsammlung mein Eigen. Neuerdings verschlinge ich PRA ...
Was, um dich kurz zu unterbrechen, sehr lobenswert ist! Nun aber weiter ...
... verschlinge ich PRA, die Hörbücher der
PERRY RHODAN-Silber-Edition und natürlich auch die Comics zum Perryversum.
Meine liebe Oma, die »Portners Lehni«, hat mir beruflich schon sehr geholfen, denn sie sagte mal, dass nur Leute, die die Sekundarschule besucht haben, Grafiker werden können (was soweit ich mich zurückerinnern kann, mein Berufswunsch gewesen ist) und ich es da als Realschüler schwer hätte. Was natürlich nicht der Realität entspricht.
Na ja, jedenfalls war es für mich das allergrößte der Welt, als ich zur Prüfung des Vorkurses an der Schule für Gestaltung in der »Großstadt« Bern aufgeboten wurde und diese auch bestand. Ein Jahr lang wurde gebastelt, gezeichnet, fotografiert, gefilmt und gemalt; eine schöne Zeit. Umso schwerer wurde die Lehrstellensuche danach. Ich wurde auch nicht sofort fündig. So arbeitete ich als Dachdeckerhelfer, Schreinerhelfer und Getränkelieferant.
Diese Vielfalt erinnert mich schon wieder an Marc Herren, genauer an seinen bewegten Lebenslauf ... das scheint eine Eigenart von euch Schweizern zu sein. Wie auch das »ss«, wo doch ein »ß« hingehört. Ihr seid Schufte! Oder ihr habt's gut, ganz wie ihr wollt. Jedenfalls hab ich oben »allergrösste« gleich mal korrigiert! Ha! Bei deinen Zeichnungen passiert dir so etwas nicht, was? Wie ging es dann weiter?
Nebenbei besuchte ich weiterhin diverse Kurse an der Schule für Gestaltung. Nebst Illustrations-, Gegenstandszeichnen- und Portraitzeichnenkurs besuchte ich das Aktzeichnen. Mein Vater hat sich schauderhaft darüber gefreut. Diese Aktzeichnungen haben es mir auch ermöglicht, als Lehrling in der Werbeagentur LangGysiKnoll zu arbeiten. Der Eigentümer hat mir sehr viel beigebracht in den drei Jahren Lehrzeit. Vor allem hat er in mir, mit seiner menschlichen Art, die grosse Freude ...
Uuuuh, Dominic!
Ähm, sorry, die große Freude an Gestaltung, Typografie und Design verstärkt und mir die Augen geöffnet. Bei dieser Werbeagentur, LGK (heute NeueLGK) bin ich dann geblieben und arbeite bereits das dritte Jahr dort als Grafiker, Illustrator und als Assistent des Artdirectors Reto Schild. Reto ist nicht nur zu meinem Boss sondern zu einem richtig guten Kumpel geworden, von dem ich viel lernen darf. Apropos Lernen: Gerade eben habe ich eine Ausbildung begonnen, die sich mit Werbung, Kommunikation und Gestaltung befasst. Ja, und nun eben diese tolle Sache mit den Illustrationen auf der PRA Seite. Wobei ich bestimmt auch noch viel zu lernen habe.
Dazu noch ein wichtiges Detail: Vor etwas mehr als sieben Jahren entdeckte ich per Zufall auf dem Dachstock meiner Oma die Risszeichnung eines Fiktivtransmitters. Mir war schnell bewusst, welch unvorstellbar wertvolle Technologie ich mit diesem detaillierten Plan in den Händen hielt. Reisen ohne Zeitverlust, wann und wohin man will. Zum Beispiel an den Strand einer Südseeinsel.
So wie ich dich inzwischen einschätze, stand diese Südseeinsel samt zuckerweißem Strand und diversen Insulaner-Schönheiten, die nur einige Bananenblätter tragen, vielleicht noch einige exotische Früchte im Haar, als leuchtendes Fanal vor dir.
Lass das nur nicht meine Freundin hören! Aber du hast schon Recht, ich beschaffte mir alle elektronischen und mechanischen Teile, die ich zum Bau des Transmitters benötigte. Danach machte ich mich an die Arbeit. Die mathematischen Formeln der fünfdimensionalen Dimensionsgeometrie schien ich leicht zu begreifen. Trotzdem schlich sich ein kleiner Fehler in den Berechnungen des Strukturmusters des energetischen Feldes am Zielort ein. Wie das passieren konnte, weiß ich bei bestem Wille nicht. Sei's drum, die Entmaterialisierung verlief einwandfrei. Ich fand mich nach kurzem stechendem Schmerz irgendwo im Nichts wieder. Farben, die ich nicht zu definieren vermochte, erfüllten mein Bewusstsein. Ich kann nicht sagen, ob dieser Zustand Stunden oder nur Sekunden anhielt. Zu meiner Verblüffung rematerialisierte ich wieder im Bastelkeller meines Vaters, von wo aus ich zu dieser enttäuschenden Reise aufgebrochen war. Betrübt über die Ergebnisse entsorgte ich meine Basteleien.
Ende des ersten Teils, die Fortsetzung folgt morgen ...