Ritters »Feinde des Lebens«

von Björn Berenz

Hermann Ritter ist vielen PERRY RHODAN-Lesern kein Unbekannter. Er ist für die Clubnachrichten in der Erstauflage verantwortlich und aktiv für das Fandom tätig. Nun hat er für PERRY RHODAN-Action seinen ersten Roman abgeliefert, den er selbst liebevoll als »Hanni & Nanni im Weltraum« bezeichnet. PERRY RHODAN-Kommunikator Björn Berenz wollte wissen, warum das so ist ...


Du bist ein bekennender PERRY RHODAN-Fan, seit Jahren aktiv im Fandom tätig und hast es als Autor bereits zu einigen professionellen Veröffentlichungen gebracht. Warum hat es so lange mit deinem ersten PR-Roman gedauert?

(Mit düsterer Stimme) Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ein Problem war sicherlich meine Nähe zu Klaus N. Frick. Wir kennen uns jetzt knapp 30 Jahre, da ist man als Mensch mehr im Fokus denn als Autor. Ich glaube, dass ich erst das »BattleTech«-Buch schreiben musste, damit er mich als Schreiber wahrgenommen hat. Sicherlich ist es so auch einfacher, nach außen hin zu erklären, warum ich schreiben »durfte«. Nämlich nicht, weil ich Klausens Freund bin, sondern weil ich »auch« schreiben kann.

Wie bist du zu PERRY RHODAN gestoßen? Kannst du dich noch an deinen ersten Roman erinnern?

Hmpf, mein erster Roman. Schwierige Frage. Ich würde auf irgendwo in den 300ern tippen, dann kamen schon die Robben auf der Venus (70er?), irgendwann Wiedereinstieg bei 999.
Wie ich auf PERRY aufmerksam geworden bin? Naja, der war kaum zu übersehen. Und auf der Buchmesse 1984 hatte ich einen Stand beim PERRY-Event, gemeinsam mit Michael Scheuch. Ein Schulfreund von mir, der heute noch Cons mit mir macht. Wir saßen vor der Box und hörten unter anderem Erich von Däniken in bombastischer Lautstärke ...
Die PERRY-Taschenbücher (brav in blau, 1. Auflage) habe ich verschlungen. Mark Richter von Mahr. Ewers fast komplett. Feldhoff. Viel Kneifel. Terrid. Voltz. Wow!

Warst du bereits vorab mit PERRY RHODAN-Action vertraut?

»Nö« im Sinne von »keine Seite gelesen«. Angefangen habe ich erst, als klar war, dass ich mitschreibe … Das liegt daran, dass ich solche Zyklen gerne komplett sammle und dann »in einem Aufwasch« lese.

Mittlerweile dürftest du ja alle Bände nachgeholt habe. Ich bin auf deine subjektive Sichtweise gespannt: Wie gefällt dir PERRY RHODAN-Action? Was gefällt dir besonders gut, was weniger, und was gar nicht?

PRA gefällt mir gut. Bekannte Namen, bekannte Figuren, Unterhaltung und Action. Eine Serie, die hält, was ihr Name verspricht.

Viele Autoren tun sich mit dem knapp bemessenen Freiraum der Exposés schwer. Was war für dich die größte Herausforderung an diesem Roman?

Die größte Herausforderung war, dass ich mich überwinden musste, zu schreiben. Mag lächerlich klingen, aber man (= ich) hat dann doch eine gewisse »Hochachtung« vor den Figuren entwickelt. Immerhin kenne ich Perry und Konsorten schon über 30 Jahre … da ist eine gewisse Hochachtung angesagt. Und den knapp bemessenen Freiraum habe ich genutzt, indem ich Teile des Exposés etwas – äh – freier ausgelegt habe.

Dieses gab unter anderem vor, dass Perry Rhodan in deinem Roman nicht aufzutauchen hat, woran du dich ja auch gehalten hast. Warst du darüber sehr enttäuscht – oder war das vielleicht sogar ein befreiendes Gefühl?

Eigentlich war es eine Herausforderung. Man musste eine Figur finden, auf die sich der Leser ähnlich »fokussiert« wie auf Perry. Das habe ich mit Tadran & Betty versucht. Ich bin zufrieden … ob es ankommt, mag der Leser entscheiden. Rhodan ist eine interessante Figur, aber bei Betty konnte ich Facetten einbauen, die bei Rhodan nicht geklappt hätten. Irgendwie ist Betty ja ein Kind »unserer« Zeit, bei der viele Anspielungen auf Filme und so weiter viel besser funktionieren als bei der – zur Handlungszeit von PR – viel älteren Figur Perry.

Das Duo Tadran & Betty funktioniert in deinem Roman wunderbar, es bringt eine angenehme Frische in die Serie – hat dir schon mal jemand gesagt, dass du sehr gut aus der Sicht einer Frau schreiben kannst?

Ich weiß nicht, ob das ein Lob ist. Da gibt es doch diesen Nicholson-Film, in dem er einen Schriftsteller spielt und auch als »Frauenversteher« gelobt wird – seine Antwort ist nicht druckbar. Mir hat es Spaß gemacht, mal was »Ungewöhnliches« zu schreiben.

Okay, Perry ist nicht dabei, dafür spielen zwei Frauen die Hauptrolle. Worin unterscheidet sich dein Roman denn noch von denen der anderen PRA-Autoren?

Ich hatte viel Spaß, »Zeitbezüge« einzubauen aus Bettys Kindheit. Filme, Romane, ein paar lustige Bilder. Und ich hatte an dem Spiel zwischen den beiden Frauen meinen Spaß. (Anmerkung der Redaktion: Ja, klar!) Okay, das ist der Sozialarbeiter in mir. Ich gebe gerne zu, dass ein wenig meiner Azubinen in den beiden Damen steckt …

Das dürfte sie bestimmt freuen. Als du deinen Roman fertig hattest, wie war die weitere Vorgehensweise? Hast du ihn direkt zum Verlag geschickt? Oder erst noch in deinem Bekanntenkreis gegenlesen lassen?

Ich bin dem Tipp von Meister Marc A. Herren gefolgt und habe zwei »Kumpels« zum Korrekturlesen überredet. Das war eine Super-Idee. Beides uralte Freunde, die aber auch offen die Wahrheit sagen, wenn es nötig ist. Das hat SEHR genützt. Aber mein »Einstellungsmerkmal« bei PRA war, dass mein Roman am Einsendetag da war. Pünktlich.

Und das schaffen längst nicht alle Autoren, besonders nicht beim ersten Roman, den sie für das Perryversum schreiben. Du scheinst sehr diszipliniert und strukturiert ans Werk zu gehen. Hast du vielleicht ein paar Tipps für Jungautoren, die das Schreiben im Allgemeinen und die Herangehensweise an einen Roman im Besonderen erleichtern können?

Ooops. Hey, ich bin kein »großer Autor«, geschweige denn »voll im Geschäft«. Tipps für Jungautoren. Okay. Ich versuche es.
1.      Nie aufgeben. Es gibt immer Leute, denen der eigene Stil nicht gefällt. Damit leben.
2.      Kritik hören. Texte Leuten zum Lesen geben, von denen man ehrliche (!) Rückmeldungen erhält. Also nicht Oma-Mama-Onkel-Freundin, die alles, was »der Kleine« oder »die Kleine« schreibt, zwischen Hemingway und Dominik ins Regal stellen wollen.
3.      Nicht davon leben wollen.
Struktur ist wichtig. Ich kann mich an einer Struktur besser entlang hangeln als beim »freien schreiben«. Aber das ist ganz sicher Ansichtssache.

Im PR-Forum wird dein Roman regelrecht abgefeiert. Viele Leser freuen sich über den frischen Wind, den du mit deinem Stil in die Serie bringst. Wie geht es denn nun weiter mit dir und PERRY RHODAN?

Äh, das wüsste ich auch gerne. Ich bin von dem Lob begeistert, aber auch ein wenig nervös, weil ich diesen Standard erst mal wieder hinkriegen muss. Weitere Planung: Noch ein Heft für »Action«. Dann mal sehen, wer mir Angebote macht …

Angenommen, nicht Christian Montillon sondern du wärst der Exposé-Autor. Was würdest du anders machen?

Alles. Aber ich bin nicht Christian Montillon. Ich würde mehr Action einbauen, mehr Bezüge auf die Frühzeit der Serie, mehr Mutanten, mehr Robben von der Venus, mehr Ferronen. Ach, hat er. Naja ...

Zu guter Letzt: Ich zitiere von Seite 12 aus deinem Roman: »... verhielten sich wie ängstliche Mushongs, die versuchten, sich selbst zu retten.« – was ist ein ängstlicher Mushong?

Toll, nicht wahr? Ich bin stolz auf mich, dass das durch alle Lektorate durchgegangen ist. Ich habe – keine – Ahnung. Aber sonst auch niemand auf diesem Planeten, weil es eben nicht auf unserem Planeten spielt.

Lieber Hermann, ich danke dir für die Zeit, die du dir für meine Fragen genommen hast und wünsche dir auf deinem weiteren Autorenweg alles Gute und viel Erfolg.