»Der junge Perry Rhodan hat das Recht und die Pflicht, an der Front zu agieren.«
Autor:
Michael Marcus Thurner
Michael Marcus Thurner hat momentan einiges um die Ohren. Neben den
Arbeiten an der regulären Erstauflagenserie schreibt er an einem neuen
Roman für die nächste Heyne-Staffel und muss nun auch noch für die
Marketingaktivitäten des Verlags herhalten. Schließlich erscheint in
diesen Tagen mit »Mutantensterben« der Auftaktband zur dritten
PRA-Staffel. Kommunikator Björn Berenz traf sich mit dem sympathischen
Autor, um etwas mehr über die Hintergründe seines Romans zu erfahren.
Mit »Mutantensterben« lieferst du nun deinen ersten PERRY RHODAN-Action-Roman
ab. Unterscheidet sich die Herangehensweise an einem Band für das Spin Off maßgeblich von dem Schreiben an der Erstauflage?
Ja.
Die Vorbereitungsphase zog sich ein wenig. Ich hatte Bedenken, einen
»Action«-Roman hinzubekommen, und bin mir wohl ein bissl selbst im Weg
gestanden. Krachbumm ist halt nicht unbedingt meine Stärke, ich
konzentrier’ mich in meinen Manuskripten meist auf Charakterisierungen
und Figurenpolitur. Letztendlich hab ich beschlossen, alles genau so
wie immer zu machen, und ich denke, das war die richtige Entscheidung.
Was war das für ein Gefühl für dich, wieder in die Anfangszeit PERRY RHODANS
zurückzukehren? Diesmal nicht als Leser sondern als Autor?
Das war nicht sonderlich aufregend für mich. Ich hab ja die Expos für die ersten zehn
ATLAN-Taschenbücher von
FanPro geschrieben, die zwischen den PERRY RHODAN-Bänden
499 und
500
angesiedelt sind. Das Feeling war also annähernd gleich. Interessant
erschien mir allerdings die Gestaltung Terranias; da hätte ich gerne
mehr Platz zur Verfügung gehabt, um mich gestalterisch auszutoben.
Du
hast einmal gesagt, dass dich an der Person Perry Rhodan stört, dass
man mit ihr relativ wenig »Action« anstellen kann. Nun beweist du in
deinem Roman, dass das sehr wohl geht. Hast du da etwa eine neue Seite
an Perry entdeckt?
Der Perry der Erstauflage ist eine mit
3000 Jahren Unsterblichkeit gestrafte Persönlichkeit, er hat
Superintelligenzen in die Augen geblickt, er besitzt den »
Ritter der Tiefe«-Status,
es hat ihn von einer Ecke des Multiversums in die andere getrieben.
Dieser Perry MUSS abgeklärter sein als jener des 22. Jahrhunderts. Der
jüngere Rhodan hat meiner Meinung nach das Recht und die Pflicht,
weiter vorne an der Front zu agieren. So, wie es auch dem Zeitgeist der
ersten paar 100 Romane der Hauptserie entspricht.
Die dritte
PRA-Staffel behandelt ein düsteres Kapitel der terranischen Ära, stellt
sogar einen Wendepunkt dar. Was denkst du, wird für die Leser den
besonderen Reiz dieses Zyklus’ ausmachen?
Das Setting.
Terrania City,
Venus,
Wega
– das sind tolle Schauplätze, über die längst noch nicht alles
geschrieben wurde. Auch die Handlungspersonen werden dem verehrten
Publikum taugen, behaupte ich mal.
Einen Auftaktroman für
einen neuen Zyklus zu schreiben stelle ich mir generell als ein
schwieriges Unterfangen vor. Nun musst du aber bei PRA mehrere
Lesergenerationen unter einen Hut bekommen – vielleicht sogar noch eher
als bei der Erstauflage ...
Auftaktromane sind was ganz
Tolles. Du bist – abgesehen von den Expo-Vorgaben – ungebunden und
kannst vor dich hin fabulieren, ohne auf Vorgängerromane Rücksicht
nehmen zu müssen. Da gibt's kein Nachblättern, kein mehrfaches
Überprüfen der Stimmigkeiten. Am liebsten würde ich nur Auftaktromane
schreiben. Hauptsache ist, dass die Geschichte stimmig und unterhaltsam
ist. In den früheren Zeitgeist können wir uns eh nicht hinein
versetzen; wir können uns bloß bemühen, Abenteuer nachzuerzählen, die
nicht so sehr von den großen kosmischen Zusammenhängen geprägt sind,
sondern mehr Bodenhaftung besitzen. Wobei dieser Zyklus ... hm ...
Hm ...?
Naja ...
Ferrol im
Wega-System ist nun mal perry-historischer Grund und Boden. Von wegen
Galaktisches Rätsel,
Wanderer,
ES und so. Ich kenne
Christian Montillons
(Anm. d. Red.: der Exposé-Autor) Pläne nicht so genau; aber kann er
denn diese Dinge ignorieren, wenn er Perry schon mal nach Ferrol hetzt?
Wir werden sehen. Gleich zu Beginn deiner Story wird Gucky
Opfer eines heimtückischen Terroranschlags. Hier gab es einige Stellen
in deinem Roman, die mich arg mit dem Mausbiber haben mitfiebern
lassen. Hast du eigentlich einen Lieblingscharakter im Perryversum?
Das ändert sich stetig.
Atlan, mit dem ich zum Beispiel früher sehr wenig anfangen konnte, habe ich während der Expo-Arbeit richtiggehend lieb gewonnen.
Alaska Saedelaere
hielt ich für einen ganz starken, aber auch schon ausgelutschten
Charakter. Bis ich einen Doppelband mit ihm im Zentrum des Geschehens
schrieb und bemerkte, was alles noch in ihm steckte.
Derzeit beschäftige ich mich erstmals mit
Dao-Lin-H'ay für einen Roman der Erstauflage. Das zwingt mich, mich ausführlich mit der
Kartanin
auseinander zu setzen und sie für mich wieder zu entdecken. Ganz
allgemein gesagt: Das Personarium der PERRY RHODAN-Serie ist riesig.
Jede einzelne Figur trägt Potenzial in sich, das ich rauskitzeln
möchte. Natürlich gelingt's nicht immer, aber ich geb’ mir alle Mühe.
»Mutantensterben«
ist nur so gespickt mit wahnwitzigen Ideen, wie zum Beispiel die
Beschreibung des Profi-Skifahrers, der sich in seinem Gesäß
Flüssigblei hat implantieren lassen, oder die Dienstspinnen, die ein
schmerzlinderndes Sekret absondern. Woher nimmst du nur derartige
Einfälle? Die stehen so ja wohl kaum im Exposé ...
Ich setz
mich hin und schreib drauflos. Manchmal kommt was
Spannendes/Lustiges/Interessantes raus, es kann aber auch mächtig
schief gehen. Dann verfluchen mich Lektor und Redakteur. In Punkto
Spontaneität eifere ich wohl dem
Ernstl Vlcek nach. Das wurde mir auch schon vom Chef gesagt bzw. vorgeworfen. (lacht)
Aus
zuverlässiger Quelle weiß ich, dass du parallel zu deiner PR-Arbeit an
einem eigenen Buch schreibst, welches ebenfalls im
Science-Fiction-Genre angesiedelt ist. Kannst du uns bereits etwas zur
Handlung erzählen? Gibt es schon einen anvisierten Erscheinungstermin?
Das
gute Ding wird »Turils Reisen« heißen, soll im Herbst dieses Jahres bei
Heyne erscheinen und ist auch schon im Auslieferungskatalog des Verlags
aufgelistet. Vereinfacht gesagt handelt der Roman von einem
intergalaktischen Totengräber namens Turil, einem etwas schwierigen
Charakter, der Begräbniszeremonien ausführt, Exekutivbescheide an zwei
Milliarden Angehörige einer Insektenkaste ausstellt, Herrscher im Namen
des Volkes hinrichtet usw. Dummerweise ist Turil auch der Schlüssel zur
Lösung eines Konflikts, der die ganze Galaxie im Griff hält. Um diesen
Konflikt zu lösen, muss er alle Konventionen seines Volkes brechen und
ein schlimmes persönliches Schicksal auf sich nehmen. Hm ... wenn ich
weitererzähle, kauft das gute Ding ja keiner mehr ... Als Wiener hab
ich eine besondere Beziehung zum Tod. Es fällt mir dementsprechend
leicht, mich in Turil hinein zu versetzen. Die Leser erwartet ein etwas
morbider Text mit – hoffentlich – abgedrehten Ideen.
Wenn
es dich beruhigt, zumindest der Plot klingt schon mal sehr abgedreht –
ich freue mich auf das Interview zu »Turils Reisen«. Zunächst aber
vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Spaß beim Schreiben.